Nokia spürt Macht der Verbraucher – Web 2.0 goes Reality

Nachdem sich Nokia dazu entschlossen hat, das Werk in Bochum zu schließen und damit ca. 2.300 Mitarbeiter sowie weitere 1000 Leiharbeiter auf die Straße zu setzen, schließen sich zahlreiche Verbraucher und Mediengesellschaften zusammen, um Nokia zu boykottieren.

Binnen wenigen Stunden formieren sich allein in StudiVZ knapp 300 Gruppen, die sich gegen Nokia aussprechen und zum Massen-Boykott aufrufen. Die Politik apelliert zwischen den Zeilen ebenfalls an die Verbraucher, ein Zeichen zu setzen. Allerdings erschleicht sich hier schnell das Gefühl, daß das Thema medienwirksam aufgeschnappt und ausgeschlachtet wird, um Wähler zu sammeln. Frech finde ich einen Aufruf der SPD, die auf einer Webseite E-Mail Adressen für einen Newsletter zum Thema Nokia-Boykott sammelt (diese Seite verlinken wir hier auch nicht!). 

Radiosender wie der WDR spielen eigene Anti-Nokia Werbespots. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, welche Macht die Konsumenten bereits bewiesen haben, als es 1995 um Shell und die Diskussion über die Versenkung einer Öl-Plattform ging. Knapp 50% Umsatzeinbruch hatte die Fehlentscheidung des Unternehmens damals zur Folge.

 Ich habe jahrelang Nokia Handys bevorzugt, aber diese antisoziale Politik des Unternehmens hat auch mich dazu bewegt, keine Nokia Handys mehr zu kaufen. Schließlich haben wir es im Mobilmarkt nicht mit Monopolisten zu tun. Allerdings sollten wir ein Problem bei der neuen Handy-Auswahl nicht außer Acht lassen: Motorola hat sich in Deutschland verabschiedet, und Siemens bzw. BenQ brauchen wir gar nicht zu erwähnen. Deutschland ist als Produktionsstandort nach wie vor problematisch – trotzdem sollte eine solche Entscheidung von Nokia einen wesentlich längeren Vorlauf und eine ehrlichere Kommunikation bedingen!

Wir freuen uns über Kommentare, die interessante Web 2.0 Nokia Boykott Seiten posten. Schauen wir mal, wie stark das Netz das finnische Unternehmen aus der Bahn wirft.

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2 Responses to Nokia spürt Macht der Verbraucher – Web 2.0 goes Reality

  1. skibicki sagt:

    Bei dem ganzen Hype sollte man eines nicht vergessen: Darf man Nokia dafür neschimpfen, dass das Unternehmen an anderem Standort profitabler produzieren will. Würde man einen Freund beschimpfen, wenn er sein Erspartes von einem 2 % Sparbuch in eine 10 % Anlage umschichtet? Wohl kaum. Die Politiker, die jetzt laut schreien, lenken sehr professionell von Ihnen selbst als Schuldigen ab. Jemand, der Millionen von Steuergeldern verschwendet und sich dann wundert, dass das Feuer aus geht, wenn der Grillanzünder verbrannt ist, hat gezeigt, dass er von Gesetzen der Marktwirtschaft und Globalisierung keine Ahnung hat. Wunschdenken hat in der Realität nicht viel zu suchen. Verantwortungsvolle Staatslenker führen ihre Bevölkerung in einer globalisierten Welt anstatt auf andere zu schimpfen und diletantisch zu sagen: Sorry, aber euer Steuergeld ist Futsch und eure Jobs auch.

  2. gregvie sagt:

    Ob beschimpft werden darf oder nicht, ist eine andere Frage. Interessant ist das Phänomen an sich – eine neue Emanzipation von Usern und Konsumenten, eine Art neue Mündigkeit? Und ich glaube, aufgrund der noch sehr schlechten Organisation der User ist ihr Machtpotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft.

    Eine Boykott-Seite habe ich leider nicht gefunden… (und auch nicht gesucht) – mir war nur grad nach einem Kommentar zumute… 😉

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